Dieses und jenes

Februar 25, 2008

Die Macro Daten in den USA haben sich weiter verschlechtert: in dem von der Philly Fed veröffentlichten „Survey of Professional Forecasters“ prognostizieren 47% aller befragten Volkswirte (50 an der Zahl) eine US-Rezession im laufenden Quartal. Merrill Lynch veröffentlichte daraufhin die Mitteilung, dass die Umfrage historisch ein erstklassiger Rezessions-Indikator war: beim Überschreiten der Marke von 40 Prozent kam es bislang immer zu einer Rezession. Weiterhin ist das US-Verbrauchervertrauen geradezu eingebrochen (Michigan-Zahlen sind jetzt auf dem Level von 1993). Angesichts der hohen Konsumentenverschuldung kann die Bedeutung dieser Zahl gar nicht genug betont werden. Auch auf der Immobilienfront ist keine Entspannung in Sicht. Hier äußert sich der renommierte Yale VWL Professor Robert Shiller (Schwerpunkt Immobilien) zum aktuellen Stand der Dinge in Sachen housing bubble:


Die Credit-Spreads haben sich weiter erhöht (iTraxx und CDX haben sich seit Juni mehr als versechsfacht – so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr). Dies führt dazu, dass viele Unternehmen trotz Zinssenkung von 225 bps höhere Finanzierungskosten haben. Der Fed ist das natürlich nicht entgangen: eine um Credit-Spreads adjustierte Taylor-Regel (siehe PIMCO Artikel) führt mich daher zu der Prognose, dass die Fed dieses Jahr um mind. weitere 1,5% die Zinsen senken wird (wahrscheinlich sogar 2%). Bull Steepener (Übergewicht Duration mit Fokus auf kurzem Ende der Zinskurve) sind dann weiterhin das Maß aller Dinge (obwohl schon sehr gut gelaufen in letzter Zeit).

Weiterhin ist es für mich langsam an der Zeit, wieder USD zu kaufen. Dies mag angesichts der dramatischen US-Wirtschaftssituation paradox klingen, liegt aber darin begründet, dass der Ausblick auf die euopäische Wirtschaft viel zu positiv ist. Mainstream-Fokus ist immer noch die Immobilien- und Wirtschaftskrise in den USA und nicht in Spanien, UK und Irland. Und da die EZB (im Gegensatz zur Fed bzw. BoE) aufgrund ihres klaren Inflationsmandats meilenweit „behind the curve“ ist, werden wir im nächsten Halbjahr einen heftigen Abschwung in Europa erleben. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Inflation keine große Rolle mehr spielen, so dass die EZB die Zinsen massiv senken kann. Doch für die europäische Wirtschaft kommt diese Ankurbelung dann viel zu spät!