Nicht nur die größte Finanzkrise der letzten 75 Jahre

Nun ist es also soweit: nachdem die Fed bereits vor Monaten Countrywide retten musste, ist nun die erste Investmentbank dran. Bear Stearns, die fünft größte amerikanische Investmentbank, muss von der Fed gestützt werden. Am Montag sagte noch CEO Alan Schwartz “Bear Stearns’ balance sheet, liquidity and capital remain strong.” Am Freitag hätte sie ohne das Eingreifen der Fed bereits dicht machen können (Aktienkurs fiel allein am Freitag um 50% – bin gespannt, ob die Managerversicherung von CEO Schwartz auch eine solche Lüge deckt). Bereits im Dezember schrieb ich hier im Kommentarbereich (Artikel „Die aktuelle Weltwirtschaftskrise“):

„Der Debt-Aspekt im Bereich Finanzwerte ist aber wirklich interessant. Alle großen Financials haben in den vergangenen 5-6 Jahren massiv ihre Verschuldungsquote aufgebaut. Letztlich ist dies einfach Leverage, um die P&L zu schönen. Dies hat aber den großen Nachteil, dass, wenn mein Kerngeschäft plötzlich schlecht läuft, ich schnell in großen finanziellen Schwierigkeiten bin. Auch dieser Punkt wird von den Rating-Agenturen nicht berücksichtigt. Banken sind also viel fragiler als sie nach außen erscheinen!“

Die New York Times (New York Times Artikel) schreibt dazu heute:

„The demise of the hedge funds began a slow but persistent loss of market confidence in the bank. Such an erosion can be devastating for any investment bank, especially one like Bear Stearns, which has a leverage ratio of over 30 to 1, meaning it borrows more than 30 times the value of its $11 billion equity base.“

Samuel L. Hayes, Professor für Investment Banking an der Harvard Business School, bestätigt: „The public has never fully understood how leveraged these institutions are.” Selbstverständlich hat nicht nur Bear Stearns so hohe Leveragequoten. Auch alle anderen Banken sind mit von der Partie (und natürlich SIVs durch CPPI und CPDO Struktueren und Hedge Funds). Wir werden daher noch einige weitere bailouts von Banken sehen. Aber nicht alle davon werden „too big to fail“ sein. Das Deleveraging (könnte nach Subprime das nächste Modewort sein) wird also noch für einige Marktteilnehmer äußerst schmerzlich werden.

Wir haben es aber nicht nur mit der größten Finanzkrise der letzten 75 Jahre zu tun. Es ist auch die größte Wirtschaftskrise der letzten 75 Jahre. Die Konsumentengetriebene Rezession (der Konsum wird massiv sinken – die Einzelhandelsumsätze diese Woche waren schon ein Mal ein kleiner Vorgeschmack) ist in den USA bereits in vollem Gange. Ebenfalls die Abkühlung der Emerging Markets: die China bubble ist bereits geplatzt und der Abschwung wird insbesondere durch den Tibet und Taiwan Konflikt (im Januar bereits angedeutet) substanziell an Momentum gewinnen. Zudem verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage in Europa, vor allem in UK, Irland, Spanien, Italien und Griechenland, rapide (der aktuelle Dollarverfall verschärft die Problematik immens).

Kurzum, long Aktienpositionen machen immer noch keinen Sinn!

5 Responses to Nicht nur die größte Finanzkrise der letzten 75 Jahre

  1. Kristina sagt:

    Hallo Jürgen,

    ich würde mich freuen, wenn du weniger Abkürzungen verwenden und ab und zu Erklärungen oder Erläuterungen einsträuen würdest. Für mich ist dein Blog hochinteressant, ohne vertiefende Financekenntnisse aber teilweise sehr schwer zu verfolgen. Da du auf Updates in deinen Blog ja in der Newsgroup hinweist, richtet er sich wohl nicht nur an Fachpublikum…?

    Danke für die interessanten Blickwinkel.

  2. JSB sagt:

    Salut, Jürgen,

    ich bin beeindruckt von diesem Blog, Respekt!
    Gleichzeitig stimme ich Kristina zu. Ich befinde mich persönlich in Weiterbildung, lerne also ständig dazu, und ich würde bluffen, wenn ich behauptete, dass ich alle von dir erwähnten Shortcuts nachvollziehen kann. Die Wikipedia ist also zwangsweise meine treue Begleiterin.

    Vorblidliches Bsp.: Den Leverage-Hint habe ich dadurch mitgekriegt, dass du ihn mit einem erklärenden Zitat unterlegt hast. Bitte mach das öfters, oder füge in einigen Nebensätzen für die weniger Versierten Erläuterungen hinzu.

    Grüsse aus der Schweiz,
    JSB

  3. Jürgen Martinschledde sagt:

    Hallo Kristina, Hallo JSB,

    Erst einma vielen Dank für das Lob. Das hört man doch immer gern.

    Bezüglich der Abkürzungen/fehlenden Erklärungen versuche ich mich zu bessern. Weist mich bitte darauf hin, falls ich weiterhin zu kryptisch formuliere bzw. etwas unklar ist (oder ihr weitere Anregungen habt).

    Nochmals danke für euer Feedback.

    Schöne Grüße
    Jürgen

  4. Gerhard sagt:

    Bei diesem Punkt stimme ich Dir voll und ganz zu:
    „Wir haben es aber nicht nur mit der größten Finanzkrise der letzten 75 Jahre zu tun. Es ist auch die größte Wirtschaftskrise der letzten 75 Jahre. Die Konsumentengetriebene Rezession (der Konsum wird massiv sinken – die Einzelhandelsumsätze diese Woche waren schon ein Mal ein kleiner Vorgeschmack) ist in den USA bereits in vollem Gange.“

    Der Wohlstand der USA ist gestützt auf dem Konsum der Amerikaner. Wer einmal dort war, weiß wie es dort zugeht.
    Sobald dieser Kreislauf durchbrochen wird, werden wir eine ziemlich schlimme Wirtschaftskrise erleben.
    Gruß Gerhard

  5. Dil Okulu sagt:

    It seems a vey nice web site but my German is not so good. Thanks.

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