Dieses und jenes

Die Macro Daten in den USA haben sich weiter verschlechtert: in dem von der Philly Fed veröffentlichten „Survey of Professional Forecasters“ prognostizieren 47% aller befragten Volkswirte (50 an der Zahl) eine US-Rezession im laufenden Quartal. Merrill Lynch veröffentlichte daraufhin die Mitteilung, dass die Umfrage historisch ein erstklassiger Rezessions-Indikator war: beim Überschreiten der Marke von 40 Prozent kam es bislang immer zu einer Rezession. Weiterhin ist das US-Verbrauchervertrauen geradezu eingebrochen (Michigan-Zahlen sind jetzt auf dem Level von 1993). Angesichts der hohen Konsumentenverschuldung kann die Bedeutung dieser Zahl gar nicht genug betont werden. Auch auf der Immobilienfront ist keine Entspannung in Sicht. Hier äußert sich der renommierte Yale VWL Professor Robert Shiller (Schwerpunkt Immobilien) zum aktuellen Stand der Dinge in Sachen housing bubble:


Die Credit-Spreads haben sich weiter erhöht (iTraxx und CDX haben sich seit Juni mehr als versechsfacht – so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr). Dies führt dazu, dass viele Unternehmen trotz Zinssenkung von 225 bps höhere Finanzierungskosten haben. Der Fed ist das natürlich nicht entgangen: eine um Credit-Spreads adjustierte Taylor-Regel (siehe PIMCO Artikel) führt mich daher zu der Prognose, dass die Fed dieses Jahr um mind. weitere 1,5% die Zinsen senken wird (wahrscheinlich sogar 2%). Bull Steepener (Übergewicht Duration mit Fokus auf kurzem Ende der Zinskurve) sind dann weiterhin das Maß aller Dinge (obwohl schon sehr gut gelaufen in letzter Zeit).

Weiterhin ist es für mich langsam an der Zeit, wieder USD zu kaufen. Dies mag angesichts der dramatischen US-Wirtschaftssituation paradox klingen, liegt aber darin begründet, dass der Ausblick auf die euopäische Wirtschaft viel zu positiv ist. Mainstream-Fokus ist immer noch die Immobilien- und Wirtschaftskrise in den USA und nicht in Spanien, UK und Irland. Und da die EZB (im Gegensatz zur Fed bzw. BoE) aufgrund ihres klaren Inflationsmandats meilenweit „behind the curve“ ist, werden wir im nächsten Halbjahr einen heftigen Abschwung in Europa erleben. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Inflation keine große Rolle mehr spielen, so dass die EZB die Zinsen massiv senken kann. Doch für die europäische Wirtschaft kommt diese Ankurbelung dann viel zu spät!

2 Responses to Dieses und jenes

  1. Bernd sagt:

    „Weiterhin ist es für mich langsam an der Zeit, wieder USD zu kaufen. Dies mag angesichts der dramatischen US-Wirtschaftssituation paradox klingen, liegt aber darin begründet, dass der Ausblick auf die euopäische Wirtschaft viel zu positiv ist.“, wie paßt das mit der Aussage, dass die FED die Zinsen noch deutlich senken werde ( dem stimme ich voll zu ).

    „Und da die EZB (im Gegensatz zur Fed bzw. BoE) aufgrund ihres klaren Inflationsmandats meilenweit “behind the curve” ist, werden wir im nächsten Halbjahr einen heftigen Abschwung in Europa erleben“ aus meiner Sicht werden wir den Abschwung deshalb erleben, weil die Nachfrageschwächung in den USA mit einer normalen Verzögerungszeit von 3-6 Monaten auch die Produktion in China beeinträchtigt; dann beginnt die direkte Auswirkung auf die EU.

    „Zu diesem Zeitpunkt sollte die Inflation keine große Rolle mehr spielen, so dass die EZB die Zinsen massiv senken kann“; das haben unsere großen Wirtschaftsweisen auch schon gesagt; die Realität und die Prognosen, zum Beispiel im Lebensmittelsektor oder Ölbereich, laufen alle gerade den Bach runter.

  2. Jürgen Martinschledde sagt:

    Mein Timing war offensichtlich nicht optimal. Kurzfristig können wir vielleicht Kurse von rund 1,6 sehen, aber auf 1-2 Jahressicht bin ich fest davon überzeugt, dass wir ein Wechselkurs zwischen 1,2-1,35 haben werden. Das hat viele Gründe: erstens ist der Dollar fundamental rund 30% unterbewertet (egal ob PPP, Starbucks- oder BicMac Index). Anschaulich wird das bereits an Europäern, die nur zum Shoppen (ganz beliebt I-Pods) in die USA fliegen. Zweitens ist das Dollar-Sentiment viel zu negativ. Sicherlich haben die meisten europäischen Staaten nicht so eine hohe Privatverschuldung wie die USA, aber dafür ist die Immobilienkrise in manchen Ländern (Irland, UK und Spanien) noch viel ausgeprägter als in den USA. Überdies leiden einige Länder an strukturellen Problemen (beispielsweise Griechenland & Italien). Davon abgesehen ist die Rentenproblematik in den USA bei weitem nicht so ausgeprägt wie in den meisten europäischen Ländern. Drittens ist das Zinsdifferential bereits total eingepreist. Eine 2jährige Treasury notiert bereits unter 1,5%. Das bedeutet, dass Zinssenkungen auf 1,5% bereits voll eingepreist sind. Meine Prognose ist, dass die EZB zwischen Juni und August anfangen wird, in 50 bps Schritten die Zinsen senken wird. Das wird dem Dollar massiv Auftrieb geben (diese Zinssenkungen sind nämlich noch nicht voll eingepreist). Viertens und letztens denke ich, dass der nächste amerikansche Präsident wesentlich mehr Haushaltsdisziplin an den Tag legt als Präsident Bush.
    Es ist immer dasselbe Spiel. Zuerst ist die europäische Wirtschaft überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig (vor 5-9 Jahren) und jetzt soll sie plötzlich super stark im Vergleich zu den USA sein. Die meisten Marktteilnehmer verfallen halt von einem Extrem ins nächste.

    Bezüglich der Verzögerungszeit stimme ich dir natürlich voll und ganz zu. Mein Kommentar war nicht als ausschließlicher Grund zu verstehen. Die einseitige Fokussierung auf Inflation ist bei der aktuellen Krise aber extrem kontraproduktiv (klarer Gründungsfehler der EZB).

    Naja, ich muss hier wohl den Wirtschaftsweisen zustimmen. Sicherlich habe ich aber andere Gründe, die mich zu diesem Schluss führen. Die meisten Marktteilnehmer unterschätzen immer noch massiv das Ausmaß der aktuellen Krise. Wir haben es definitv mit der größten Immobilien- und Finanzkrise der letzten 75 Jahren zu tun. Dies kannst du an allen Spreads im Fixed Income Bereich direkt ablesen. Ich empfehle hier vor allem die Spreads von CDS. Die implizieren derzeit historisch hohe Ausfallraten. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, entweder hier wird gerade übertrieben oder wir werden ein Disaster sehen. Ich denke letzteres. Dies liegt vor allem an dem gigantischen Volumen des Häusermarkts. Allein in den USA wird dieser auf 20 Billionen USD geschätzt. Bei einem durschnittlichen Wertverlust von derzeit 10% macht das 2 Billionen USD aus. Und ich spreche hier nur von den USA. Das Konjunkturpaket von rund 150 Mrd. ist daher geradezu ein Witz. Davon abgesehen trifft dieser Wertverlust direkt den amerikanischen Verbraucher. Jetzt wird dieser sich seiner hohen Privatverschuldung besinnen und viel weniger konsumieren. Es wird schon seit vielen Jahren gesagt, dass das Wirtschaftswachstum auf Pump nicht ewig so weitergehen kann. Wir erleben gerade diesen historischen Wendepunkt.
    Und es gibt nichts effektiveres gegen Inflation als eine schwere Rezession.

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