Über die Sinnhaftigkeit von Studiengebühren

Das Thema Studiengebühren erhitzt schon seit ungefähr fünf Jahren die Gemüter. Während sich die SPD und die Grünen tendentiell eher gegen Studiengebühren ausgesprochen haben, hat die FDP klar für die Einführung von Studiengebühren plädiert.

Befürworter von Studiengebühren zitieren gerne den Satz der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, daß es unfair sei, wenn die Friseurin das Studium des Arztsohnes finanziere. Mit dieser Aussage soll betont werden, daß der größte Teil der Studenten aus gutem Hause stammt. Somit also die Nichtakademiker und damit in der Regel Schlechterverdienenden die Reichen subventioniern. Damit also gewissermaßen eine Umverteilung von unten nach oben stattfindet. Dieses Argument berücksichtigt aber nicht die langfristigen Auswirkungen von Bildung. Da Akademiker später im Durchschnitt zu den Besserverdienenden zählen, zahlen sie aufgrund der Steuerprogression auch mehr Steuern zurück. Das Umverteilungsargument ist somit hinfällig.

Das zweite beliebte Argument für Studiengebühren ist, daß nur diese Maßnahme die Situation an den Universitäten wirklich verbessern könne. Durch die Studiengebühren hätten die Universitäten mehr Mittel zur Verfügung und somit stehe einer deutlich besseren Lehre und Ausstattung nichts mehr im Wege. Alle internationalen Studien belegen jedoch, daß sich der Staat nach Einführung von Studiengebühren mittelfristig aus der Finanzierung zurückzieht. Daher läuft es mittelfristig für die Universitäten auf ein Nullsummenspiel heraus, ergo verbessert sich auch nicht wirklich die Lehre beziehungsweise die Ausstattung. Weiterhin kommt auch jetzt schon ein großer Teil (in der Regel 25 %) der Studiengebühren nicht den Universitäten zu Gute, sondern den Banken. Diese 25 % der eingesammelten Gebühren dienen nämlich der Deckung von faulen Studentenkrediten. Dieses Beispiel verdeutlicht auch sehr gut, wer der wahre Gewinner der Einführung der Studiengebühren ist. Es sind nicht die Studenten; es sind nicht die Universitäten und es ist auch nicht der Staat. Die Gewinner sind die Banken. Sie haben durch die Einführung von Studiengebühren und dieser „Deckungsregel“ risikolos einen neuen Markt erschliessen können.

Was spricht nun gegen die Einführung von Studiengebühren? Zum einen der Fakt, daß Deutschland ohnehin schon eine sehr geringe Akademikerquote hat. Sämtliche internationalen Vergleiche zeigen, daß die Studentenzahlen nach Einführung von Studiengebühren fallen werden. Dieser Befund wird auch unterstützt durch die neuesten Zahlen aus NRW. Rund 20 % weniger Studenten hat NRW nach Einführung von Studiengebühren zu verzeichnen. Bildung ist aber ein äußerst wichtiger Standortfaktor und daher sollten wir in diesem Bereich auf keinen Fall weiter zurückfallen. Befürworter von Studiengebühren erwidern hierauf gerne, daß die USA trotz höchster Studiengebühren eine höhere Akademikerquote als wir in Deutschland haben. Der Darmstädter Professor Michael Hartmann beschreibt hier (Stellungnahme Professor Hartmann), warum dieser Amerikavergleich absolut unangemessen ist.

Zudem sind Studiengebühren sozial ungerecht. Sie schrecken gerade die Menschen, die aus ärmeren Verhältnissen stammen, überproportional vom Studium ab. Die Kluft zwischen arm und reich verschärft sich also noch weiter. Mit Studiengebühren steuern wir damit auf das elitäre Universitätsmodell von Ländern wie Frankreich, England und den USA zu. An den Eliteuniversitäten studiert dort nämlich nur eine absolute Minderheit von Menschen, die aus weniger gut betuchtem Elternhaus kommen. Doch nur wer in Harvard, Yale, Stanford, École Nationale d’Administration, Oxford oder Cambridge studiert hat, kommt an die richtig guten Jobs. Zwangsläufig führt dieser Umstand zu einer noch größeren Polarisation der Gesellschaft. Wir sollten uns fragen, ob wir das wirklich wollen.

Wem das Wohl des Landes am Herzen liegt, für den kann es nur ein Votum geben: ein klares Nein gegen Studiengebühren!

8 Responses to Über die Sinnhaftigkeit von Studiengebühren

  1. Simon sagt:

    „Ein klares Nein gegen Studiengebühren!“

    Wenn ich das richtig interpretiere forderst du also Studiengebühren?

    Vielleicht solltest du den letzten Satz nochmal überarbeiten …

    Viele Grüße aus Biberach,

    Simon …

  2. Andre sagt:

    Also ich spreche mich auch für Studiengebühren aus.
    Ich denke deine Argumentation hinkt schon etwas.
    natürlich zahlen Akademiker mehr Steuern später, aber der KFZ Meister der vielleicht so viel verdient wie ein Geisteswissenschafter verdient auch so viel und muss die gleichen Steuern zahlen.
    Ebenso warum sollte man sich nicht an seinen Studienkosten BETEILIGEN. Wenn einer Person seine Ausbildung nicht 500€ im Semester wert sind, dann kann ich ihm auch nicht helfen.
    Die FDP fordert übrigens nachgelagerte Studiengebühren, so wird niemand abgehalten, er muss ja während des Studiums nicht zahlen

    Grüße

    André

  3. HansWurst sagt:

    Nachgelagert hin oder her. Durch ein Studiendarlehen sind die Gebühren de facto eh nachgelagert. Nur das beispielsweise ein taxifahrender Ägyptologe auch sein Darlehen zurückzahlen muss, finde ich nicht gut. Hier sind soziale Gehaltsgrenzen nötig.

    Ich bin außerdem gespannt, ob der von Befürworter von Studiengebühren prophezeite Wettbewerb unter den Unis wirklich stattfindet. Wenn ja, wäre das durchaus ein gutes Argument pro Studiengebühren. Die Lehre verbessert sich und das ist m.M. auch dringend nötig.

  4. kno sagt:

    fragt sich aber wozu man zum Taxi fahren, eine akademische Ausbildung als Ägyptologe braucht !?!

  5. Sebo sagt:

    Alta! Du schreibst ja wie du sprichst. Bemüh dich doch wenigstens um vollständige Wörter und vor allem Sätze….

    *augenroll*

  6. kno sagt:

    Nur weil du es bist, noch einmal zum einmal zum Mitschreiben:

    „Ich frage mich wo zu man, einen akademische Ausbildung als Ägyptologe braucht um Taxi zu fahren!?“

    Tja wenn einen die Argumente ausgehen, grifft man einfach die Rechtschreibung, die Sprache, die Grammatik, oder was auch immer des Kontrahenten an. An staat auf die Argumente einzugehen !?

    Ich unterstelle dir jetzt einfach mal den Intellekt das du meine Aussage schon richtig verstanden hast!

  7. Sebo sagt:

    😀

    Mein Eintrag war eigentlich direkt an Jürgen gerichtet, aber wie ich jetzt sehe, passt er ja auf Dich genausogut!

  8. Veli sagt:

    Hi also ich denke an den Kommentaren kann man sehen, wer sich wirklich mit diesem Thema befasst hat uns wer nicht… . Diese Milchmädchen-Rechnung , dass sich die später besserverdienenden Akademiker an ihrem Studium beteiligen sollen ist schlicht Müll!!!
    Menschen aus Ärmeren Familien sollen doch schon in der Grundschule Büchergeld bezahlen, später dann in der vierten Klasse werden sie in verschiedene Schulen geschickt (Hauptschule, Realschule, Gymnasium??) , um dort dann bei Klassenausflügen und, welche Geld kosten wieder benachteiligt zu werden. Jetzt sollen die wenigen armen, welche diese
    Schwierigkeiten „überlebt“ haben nochmal vor der Kasse stehen. Die Wohlhabenden haben Eltern,welche kostenlos studiert haben-welche jetzt das Geld haben, um ihre Kinder zu finanzieren. Ihre kinder haben dann wieder mehr Geld später usw… . Ich denke die Probleme gehen in diese Richtung meine Damen und Herren!!!!!!

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